Grüß schön, Opa

„Grüß schön“, hast Du gesagt und der, der es ausrichten sollte, wusste gar nicht so genau, wen Du eigentlich meinst. Vielleicht wusstest Du es auch nicht. Aber das ist nun nicht mehr wichtig. Ich musste lächeln. Kurz habe ich Dich gesehen vor meinem inneren Auge und in meinem Herzen. Und vielleicht ging es einigen so, die diese Grüße bekommen haben.
Du warst sehr, sehr lange ein Teil von uns – ein Teil dieser Gemeinschaft. Und ich kann nur erahnen, wie sehr sie Dir gefehlt hat an diesem Sonntagmorgen. Das Singen und Beten, die Gemeinschaft – das war Deine Gemeinde, Deine Familie. Danke für die Grüße. Wir haben sie erhalten.
Es waren vielleicht deine letzten Worte bevor Du ganz ruhig den letzten Atemzug getan hast. Vielleicht hast Du es gespürt. Der letzte Sonntag – die letzte Chance, Grüße auszurichten, an die, die nun zurück bleiben.
Wir bleiben noch hier und gucken zurück auf das, was Du für uns warst und was wir von Dir hier behalten. Dein Lieblingslied, Deine Sparsamkeit, Deine Treue, Deine Liebe zu Jesus und seiner Gemeinde, Deine Tränen – durch die Du mehr sagen konntest, als durch Worte. Deine Erinnerungen, aufgeschrieben für uns, die wir nur erahnen können, wie sehr er Dich innerlich verletzt hat der zweite große Krieg.
Nun bist Du gegangen. Und uns bleibt nur zu sagen: „Grüß schön, Opa!“.

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Lieber Opa – zum 90. Geburtstag

Vielleicht weißt Du gar nicht, wer ich bin. Wir sehen uns leider nur noch selten, da ich schon seit 15 Jahren nicht mehr in der alten Heimat wohne. Ich bin Damaris, die Älteste von Deinem Mittleren. Solange ich denken kann, bist Du da und heute wirst Du 90 Jahre alt. Seit einiger Zeit bist Du vergesslich und erkennst mich nicht mehr so gut.

Das, was ich Gott sei Dank nur aus Büchern oder Filmen kenne, musstest Du erleben. Du hast den zweiten großen Krieg überlebt und die Gefangenschaft erlitten. Viele Jahre später hast Du es für uns, Deine Nachkommen aufgeschrieben. Danke dafür. Für mich ist es unfassbar, wie Du das überstehen konntest. Und natürlich hat all das Wunden und Narben hinterlassen. Erlebnisse, die Du nie vergessen wirst, Verletzungen, die nie wirklich heilen werden – äußerlich und innerlich. Vielleicht vergisst Du deshalb, weil es einfach weh tut immer daran zu denken.

Über das Erlebte zu reden, viel Dir nie leicht. Ich kann das verstehen. Auch ich kann besser schreiben als reden. Gefühle auszudrücken ist schwer, aber Menschen brauchen das. Menschen, die uns lieben und die wir lieb haben, brauchen, dass wir es ihnen sagen.

Leider kann ich bei Deiner großen Feier nicht dabei sein. Ich darf arbeiten. Ja, ich darf. Es ist dass, was ich gerne tue. Und ich weiß, Du verstehst es, denn die Gemeinde stand bei Dir immer an erster Stelle. Auch das ist bei mir ähnlich. Doch Menschen, die uns lieben und die wir lieb haben, brauchen auch unsere Zeit. Zeiten, die wir ihnen uneingeschränkt widmen.

Lieber Opa, danke für Dein Vorbild und dass ich von Dir für mein Leben und meine Familie lernen kann.

Deine Enkelin Damaris