mittendrin (2)

Sie wollte eigentlich nur mal gucken. Durchs Fenster, ganz vorsichtig. Nur mal gucken, was so los ist im café mittendrin. Jemand sagte dann zu ihr: „Komm rein, dann kannst Du raus gucken“. Seit dem ist sie mittendrin und hilft auch anderen Leuten dabei rein zu kommen. Sie lacht gerne, sie bekommt gerne Post und sie liebt die Körnerbrötchen beim Frühstück. Mit anderen Gästen teilt sie die Einsamkeit, seit der Mann verstarb. Deshalb versteht sie. Das braucht nicht viele Worte. Ich werde sie vermissen.

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mittendrin (1)

B. ist Stammgast von Anfang an. Dass, sein Leben nicht einfach war, sieht man ihm an. Unzählige Schlaganfälle lassen ihn humpeln. Mit der Fietse (Fahrrad) geht es besser. Die ersten Jahre stand er draußen am Stehtisch mit Kaffee und Zigarette. Inzwischen sitzt er mittendrin. Den Kuchen isst er mit viel Sahne. Meistens bringt er Blumen mit. Er redet nicht so viel, aber einen Spruch hat er immer auf den Lippen. Seit 15 Jahren ist er trocken, seit 10 Monaten raucht er nicht mehr. Sonst wäre er wohl schon unter der Erde. Heute kam er zum Tschüß sagen zum Frühstück. Früh Aufstehen ist sonst nicht seine Sache, aber was er sich vornimmt, das schafft er auch. B. du wirst mir fehlen.

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Komm runter vom Baum!

Für kleine Leute ist es gut auf dem Baum zu sitzen. Sie sehen dort mehr. Man kann es sich gut einrichten auf so einem Baum. Und wenn man sich gut eingerichtet hat, ist es richtig bequem. Und die Aussicht ist wunderbar. Kleine Leute sehen sonst nicht so viel. Kleine Leute können sich auf einem Baum gut verstecken und alles um sich herum beobachten. Sehen und gesehen werden, zählt hier nicht. Unbeobacht sein, das ist die Hauptsache. So kann dieser Baum zu einem richtigen Zuhause werden. Denn hier oben, kann einem keiner was. Hier ist man den anderen überlegen. Weiterlesen

Was für ein schöner Sonntag

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief, und sie wurden selbst zu Boten, das der Ruf wie feuer lief:

Eingeladen zum Fest des Glaubens.

Und so kamen sie in Scharen, brachten ihre Kinder mit, ihre Kranken, auch die Alten, selbst die Lahmen hielten schritt. Von der Staße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl, und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit; und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid; und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe; und sie lernten so zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgten wir den Spuren Jesu, folgten wir dem, der uns rief, und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf noch gilt, der lief:

Eingeladen zum Fest des Glaubens.

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Text: Eugen Eckert
Melodie: Alejandro VecianaBildnachweis: bauzaun. / photocase.de

Leben auf!

(Fortsetzung von Tür auf!)

Es ist Donnerstag und ich werde, wie jeden Morgen, durch die Kinder geweckt. Hatte Jesus nicht gesagt, dass er klingeln wollte? Kurz überlege ich, ob ich das Klingeln überhört habe, aber dann lässt mir die Morgenroutine keine Zeit zum Nachdenken mehr. Erst als ich um kurz nach acht am Schreibtisch sitze und alles ruhig ist, erinnere ich mich wieder. Wollte Jesus nicht wieder zu mir kommen? Gestern war er doch so real neben mir und mit mir unterwegs. Oder war das alles nur ein Traum? Komisch. Weiterlesen