Meine Fastenzeit – Der Start

Heute beginnt die Fastenzeit. In den letzten Jahren habe ich diese Zeit immer sehr bewusst wahrgenommen und genossen. Ich habe nicht immer auf etwas verzichtet, aber ich habe versucht mir Zeit zu nehmen für inhaltliche Impulse. So hatte ich die letzten Jahre immer einen oder sogar zwei Fastenkalender mit kurzen Texten, die mich jeden Tag begleitet haben. Einmal habe ich auch an einem Schreibexperiment in der Fastenzeit mitgemacht, was leider nur so mäßig geklappt hat. (Die Texte daraus findet ihr hier: Sieben Wochen wundernDu wirst dich noch wundern; Mich wundert gar nichts mehrWunder muss man selber machen)
Dieses Jahr habe ich etwas Neues. Einige Leute aus meinem Umfeld hatten die Idee eine Fotoaktion in einer Whats-App-Gruppe zu starten. Jeden Mittwoch schickt man sich ein Bild, was einen inspiriert hat oder in dieser Fastenwoche begleitet hat. Dazu einen kurzen Satz. So wollen wir bewusst durch die Zeit gehen und miteinander teilen, was wir erleben. Dabei begleitet uns der Passionskalender unserer Kirche.
Mein Bild der Woche werde ich auch hier jeden Mittwoch teilen und einige kurze Zeilen dazu schreiben. So könnt ihr mit mir unterwegs sein.

Mein Eingangsbild in die Fastenzeit ist das Tor zum Kloster Lehnin. Dort habe ich heute einen „Einführungstag für neue Mitarbeitende“ meines Arbeitgebers verbracht. Ein schöner und inspirierender Tag, der aber auch einige Gedanken und Diskussionen in mir losgetreten hat.

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Ich bin gestolpert und geflogen

In dieser Woche bin ich auf ein Lied der Band „Tonbandgerät“ gestoßen, dass ziemlich gut meine Stimmungslage wieder gibt. Ich kann zurzeit nicht viele Worte machen. Ich bin unterwegs, falle hin und stehe wieder auf. Vieles in mir ist verwirrt und unsicher. Deshalb teile ich heute nur diesen Refrain mit Euch:

„Ich bin gestolpert und geflogen,
war weit unten und ganz oben.
Ich bin viel zu lange auf den Beinen.
Ich komm jetzt heim. Ich komm jetzt heim.“

Text: „Ich komm jetzt heim“ von Tonbandgerät

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Abschied (1)

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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Text: Hermann Hesse
Bildnachweis: Simon Werner