weniger ist mehr – mein Rückblick auf Advent und Weihnachten

Je mehr ich mich beruflich und privat mit den Schicksalen und dem Alltag von Flüchtlingen beschäftige, desto mehr Anfragen stelle ich an meinen Lebenstil und mein Konsumverhalten. Deswegen wollten wir Advent und Weihnachten ein bisschen runter fahren und bewusster gestalten. Es sollte weniger zu essen geben, weniger verschenkt werden und weniger gekauft werden. Das hat nicht in allen Bereichen funktioniert, aber es war ein guter Anfang. Weiterlesen

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Leben auf!

(Fortsetzung von Tür auf!)

Es ist Donnerstag und ich werde, wie jeden Morgen, durch die Kinder geweckt. Hatte Jesus nicht gesagt, dass er klingeln wollte? Kurz überlege ich, ob ich das Klingeln überhört habe, aber dann lässt mir die Morgenroutine keine Zeit zum Nachdenken mehr. Erst als ich um kurz nach acht am Schreibtisch sitze und alles ruhig ist, erinnere ich mich wieder. Wollte Jesus nicht wieder zu mir kommen? Gestern war er doch so real neben mir und mit mir unterwegs. Oder war das alles nur ein Traum? Komisch. Weiterlesen

Offenes Haus

Vor einem Jahr kam T. zu uns. Er ist afghanischer Flüchtling und war für drei Monate unser Gast. Am ersten Abend habe ich aufgeschrieben, was das für ein Gefühl war. Hier ein kleiner Auszug:

Mittwoch, 11.12.13

Ich bereite das Zimmer für unseren afghanischen Gast vor. Ich mache auch die Ecken, die ich schon lange nicht mehr geputzt habe. Ich bin aufgeregt und freue mich auf diesen Besuch. Es ist Advent, denke ich.

Wir dürfen ihn T. nennen, weil sein Name für uns schwer auszusprechen ist. Ihm geht es mit „Damaris“ nicht anders. Bei unserer ersten Begegnung sind wir beide schüchtern und wissen nicht so richtig worüber wir reden sollen. Es gibt so viele Fragen auf beiden Seiten. Dann schreit mein Baby und ich muss stillen. Es ist mir unangenehm.

Abends kommt er von der Arbeit. Wir gucken Dortmund gegen Marseille. T. ist für Dortmund. Die Nachrichten in der Halbzeitpause berichten von einem Selbstmordanschlag in Afghanistan. Ich möchte heulen. Gestern war Afghanistan noch so weit weg – doch heute sitzt T. mit uns im Wohnzimmer. Danach gucken wir bei Google, wo er herkommt und er erzählt ein bisschen über seine Familie.

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Trostlied am Abend

In jeder Nacht, die mich bedroht,
Ist immer noch dein Stern erschienen.
Und fordert es, Herr, dein Gebot,
So naht dein Engel, mir zu dienen.
In welchen Nöten ich mich fand,
Du hast dein starkes Wort gesandt.

Hat banger Zweifel mich gequält,
Hast du die Wahrheit nie entzogen.
Dein großes Herz hat nicht gezählt,
Wie oft ich mich und dich betrogen.
Du wusstest ja, was mir gebricht.
Dein Wort bestand: Es werde Licht!

Hat schwere Sorge mich bedrängt,
Ward deine Treue mir verheißen.
Den Strauchelnden hast du gelenkt
Und wirst ihn stets vom Abgrund reißen.
Wann immer ich den Weg nicht sah:
Dein Wort wies ihn. Das Ziel war nah.

Hat meine Sünde mich verklagt,
Hast du den Freispruch schon verkündet.
Wo hat ein Richter je gesagt,
Er sei dem Schuldigen verbündet?
Was ich auch über mich gebracht,
Dein Wort hat stets mein Heil bedacht.

In jeder Nacht, die mich umfängt,
Darf ich in deine Arme fallen,
Und du, der nichts als Liebe denkt,
Wacht über mir, wacht über allen.
Du birgst mich in der Finsternis.
Dein Wort bleibt noch im Tod gewiss.

von Jochen Klepper, aus dem Gedichtzyklus „Kyrie (1903-1942)

Bildnachweis: dwerner/photocase.de

Alle Jahre wieder …

sitze ich am Schreibtisch, starre auf den Bildschirm und versuche etwas Neues aufs Papier zu bringen. Etwas, was die Leute zu Weihnachten noch nicht gehört haben und noch nicht wissen. Und immer wieder scheitere ich an diesem Anspruch.

Alle Jahre wieder mache ich die Erfahrung, dass es mir gelingt die „alte Botschaft“ selbst zu hören und zu empfangen. Meistens dann, wenn ich wirklich leer bin und das Gefühl habe nichts mehr zu wissen und zu können.

Und irgendwie bekomme ich dann doch was aufs Papier. Es muss ja nichts Neues sein, wenn wir das Altbekannte oft genug noch gar nicht begreifen können.