Ich will keine Schokolade … zum Muttertag

Ich mag den Muttertag nicht besonders. Heute ist auch nichts anders als gestern und als morgen. Ich bin gerne Mutter, auch ohne Blumen oder selbstgebastelte Bilder (die es ja nicht nur zum Muttertag gibt), zu denen die Kinder im Kindergarten, der Schule oder der Kirche aufgefordert werden. Ich mag es, wenn meine Kinder mir sagen, dass sie mich lieb haben und ich bin oft gerührt in welcher Art und Weise sie es tun, ganz spontan und aus dem Bauch heraus und nicht weil es im Kalender steht. Ich verstehe auch nicht, warum Männer ihren Frauen Blumen zum Muttertag kaufen, wenn die Kinder noch zu klein sind … Ich bin nicht die Mama meines Mannes. Ich freue mich immer über Blumen von ihm, gestern oder morgen oder einfach so, aber nicht zum Muttertag. Ich bin gerne Mama. Durch meine Stärken und Schwächen gibt es gute und schlechte Tage für uns alle. Wir reden darüber und nehmen uns in den Arm und vertragen uns, wenn wir uns gestritten haben. Ich wäre gerne öfter geduldiger und es gibt einiges, was mich unzufrieden macht. Ich mache nicht alles richtig und sicherlich viel falsch, aber ich tue, was ich kann und ich lerne jeden Tag dazu. Doch ich brauche keinen besonderen Tag um mir dessen bewusst zu sein und damit mir jemand Danke sagt. Ich bin mehr als eine Mutter. Viel mehr. Ich bin Frau, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Tochter, Schwester, Diakonin … Das alles macht mich zu dem, was ich bin. Heute und gestern und morgen. Und ich mache das alles Gott sei Dank nicht alleine. Meine Kinder haben einen Vater und ohne ihn wäre ich keine Mutter und wir keine Familie.

In den Kirchen in denen ich bis jetzt zu Hause war, gab es von den Kindern immer kleine Geschenke für alle Frauen (damit sich diejenigen, die keine Mütter sind, nicht ausgegrenzt fühlen). Ich fand das schon immer komisch. In den ersten Jahren, als ich keine Mutter war, wollte ich es auch nicht sein. Wir haben uns bewusst dafür entschieden nicht sofort Kinder zu bekommen, sondern ersteinmal die Zeit zu Zweit zu genießen und bewusst zu gestalten. Ich war einfach eine Frau und keine Mutter. Ich wollte keine Mutter sein und deshalb auch keine Rose geschenkt bekommen. Ein paar Jahre später wollte ich gerne schwanger werden und es hat nicht sofort geklappt. In diesem Moment habe ich es als sehr schmerzhaft empfunden eine Blume zu bekommen, weil ich mir so sehr wünschte Mutter zu sein. Jetzt, wo ich um diese Gefühle weiß, empfinde ich es als schwierig pauschal Geschenke am Muttertag zu verteilen, ohne um die Situationen zu wissen in denen sich Frauen gerade befinden.

Jede Familie kann gerne für sich den Muttertag so gestalten, wie sie das möchte. Allerdings finde ich es in Zeiten, wo sich immer mehr Paare die Erziehungs- und Hausarbeit partnerschaftlich teilen, eher unbegründet die Mutter einmal im Jahr so herauszuheben. (Zumal es in meiner Tradition keinen Vatertag gibt, sondern Christi Himmelfahrt gefeiert wird.) Oft erlebe ich es auch als einen Tag an dem die Erwartungen eher ungeklärt und unausgesprochen im Raum stehen. Das führt oft genug zu Enttäuschungen. Schon öfter habe ich von Frauen gehört: „Ich erwarte gar nichts, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden“. Aber ist das nicht ein Trugschluss? Aus diesem Satz sprechen doch schon ganz viele Enttäuschungen und unerfüllte Wünsche. Warum wird nicht offen mit den Kindern (oder mit dem Partner) darüber geredet, was man sich wünscht und was nicht. In unserer Familie und Arbeitssituation kommt hinzu, dass der Sonntag(morgen) meist nicht sehr entspannt abläuft. Mama darf ausschlafen, die Kinder decken den Tisch und dann wird gemütlich gefrühstückt, das geht einfach nicht. Von daher war es heute ein sehr ungewöhnlicher Sonntagmorgen, weil die Mädels ausnahmesweise wirklich lange geschlafen haben und ich so in aller Ruhe das Frühstück machen konnte. Das habe ich sehr genossen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Mama (ich habe nie Mutter gesagt) habe. Sie ist zwar weit weg, aber sie ist da, wenn ich sie brauche. Unsere Beziehung verändert sich. Sie wird freundschaftlicher und partnerschaftlicher. Sie wird offener und reflektierter. Ich erkenne mich in ihr wieder. Wenn ich mit meiner Tochter Hausaufgaben mache, fühle ich mich manchmal zurückversetzt in meine Kindeheit. Das hilft mir. Wir haben gekämpft. So, wie ich jetzt manchmal kämpfen muss. Diese Erinnerung hilft mir auch mit mir selbst gnädig zu sein, wenn ich (zu oft) genervt bin. Ich weiß, dass Töchter das vergeben können. Ich finde es aber auch toll, dass ich in manchen Situationen einfach noch Kind sein darf. Wenn wir bei meinem Eltern sind, falle ich sehr schnell in diese Rolle und freue mich zum Beispiel wenn es mein Lieblingsessen gibt. Von Mama gekocht. Es gibt aber auch die umgekehrten Situationen: Dann koche ich und Mama kommt von der Arbeit und das Essen ist fertig, weil ich Urlaub habe. Ich genieße das sehr, besonders, weil wir beide wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, diese Phase miteinander zu erleben. Ich hoffe wir haben noch viele Jahre zusammen. Danke Mama!

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Bildnachweis: jokebird / photocase.de

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2 Gedanken zu “Ich will keine Schokolade … zum Muttertag

  1. Ute Johennecken - Kupschus schreibt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich fand den Muttertag gerade in der Zeit als wir Kinder wollten und wir 5 Jahre auf das erste Kind gewartet haben, unerträglich. Seitdem ist mir der Tag so egal . Liebe Grüße Ute

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