Trostlied am Abend

In jeder Nacht, die mich bedroht,
Ist immer noch dein Stern erschienen.
Und fordert es, Herr, dein Gebot,
So naht dein Engel, mir zu dienen.
In welchen Nöten ich mich fand,
Du hast dein starkes Wort gesandt.

Hat banger Zweifel mich gequält,
Hast du die Wahrheit nie entzogen.
Dein großes Herz hat nicht gezählt,
Wie oft ich mich und dich betrogen.
Du wusstest ja, was mir gebricht.
Dein Wort bestand: Es werde Licht!

Hat schwere Sorge mich bedrängt,
Ward deine Treue mir verheißen.
Den Strauchelnden hast du gelenkt
Und wirst ihn stets vom Abgrund reißen.
Wann immer ich den Weg nicht sah:
Dein Wort wies ihn. Das Ziel war nah.

Hat meine Sünde mich verklagt,
Hast du den Freispruch schon verkündet.
Wo hat ein Richter je gesagt,
Er sei dem Schuldigen verbündet?
Was ich auch über mich gebracht,
Dein Wort hat stets mein Heil bedacht.

In jeder Nacht, die mich umfängt,
Darf ich in deine Arme fallen,
Und du, der nichts als Liebe denkt,
Wacht über mir, wacht über allen.
Du birgst mich in der Finsternis.
Dein Wort bleibt noch im Tod gewiss.

von Jochen Klepper, aus dem Gedichtzyklus „Kyrie (1903-1942)

Bildnachweis: dwerner/photocase.de

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